Mehr zur Sendung vom 03.03.17: Yücel im Gefängnis

Hintergründe zur aktuellen heute-show-Sendung. Thema: Deniz Yücel im Gefängnis

Zum Weiterlesen

  • Präsident Erdogan sagte im Jahr 2014, nirgendwo auf der Welt seien die Medien freier als in seinem Land. Inzwischen sitzen nirgends auf der Welt mehr Journalisten im Gefängnis als in der Türkei. Jetzt musste erstmals seit dem Putschversuch ein deutscher Journalist in der Türkei in Untersuchungshaft – weil Deniz Yücel seinen Job gemacht und kritisch berichtet hat. Can Dündar, der Ex-Chefredakteur der regierungskritischen türkischen Zeitung Cumhuriyet, beurteilt den Fall im Interview mit dem heute-journal.

  • Was wird Yücel konkret vorgeworfen? Aus dem Protokoll der Gerichtsverhandlung geht hervor, dass dem Journalist der Welt nicht nur Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, sondern auch für die Bewegung des Predigers Fethullah Gülen vorgeworfen wird. Zum Vorwurf der Volksverhetzung heißt es außerdem, er habe in einem Artikel einen Witz über Kurden und Türken zitiert. Der ganze Yücel-Text steht noch online.

  • Über den Protest in Deutschland berichtet das NDR-Medienmagazin Zapp. Die Kollegen haben auch mit Yücels Chef, dem Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt, gesprochen. Er sagt über Deniz Yücel: „Der hat einfach einen verdammt guten Job gemacht.“

  • Und was sagen türkische Medien zu dem Fall? Längere Zeit äußerten sie sich kaum dazu, mittlerweile hetzen regierungsnahe Medien geradezu gegen Yücel. Die Zeitung Star etwa schrieb auf ihrer Titelseite über den deutsch-türkischen Korrespondenten: „Kein Journalist - PKK-Auftragsmörder“ (PKK tetikcisi). Nach der Definition der Gesellschaft für türkische Sprache bezeichnet das Wort „tetikci“ einen Auftragsmörder, kann aber auch sinngemäß als Marionette verstanden werden, schreibt heute.de.

  • Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen liegt die Türkei inzwischen auf Platz 151 von 180 Ländern. Eine Reporterin der Süddeutschen Zeitung war Anfang des Jahres unterwegs mit Frauen, die ihre Männer im Gefängnis besuchen. „Die drei Frauen kommen gemeinsam nach Silivri, weil die Männer, die sie besuchen, eine Zelle teilen: der Journalist Kadri Gürsel, der Karikaturist Musa Kart und Turhan Günay, der den Buchverlag der Zeitung Cumhuriyet betreut.“

  • Die diplomatische Krise zwischen Deutschland und der Türkei spitzt sich derweil weiter zu. Auch, weil zwei geplante Wahlkampfauftritte türkischer Minister in Deutschland abgesagt wurden. Die Stadt Gaggenau in Baden-Württemberg blies eine Veranstaltung mit dem türkischen Justizminister Bekir Bozdag ab – aus Sicherheitsbedenken. Bozdag sagte daraufhin seine gesamte Deutschlandreise ab, bei der auch ein Gespräch mit Justizminister Heiko Maas (SPD) geplant war. Das WDR5-Morgenecho hat über die aktuelle Situation mit dem NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) gesprochen.

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